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27.01.2012: DROPKICK MURPHYS, Hannover (AWD Hall)

30. Jan. 2012 | von


DROPKICK MURPHYS - Live AWD-Hall Hannover Konzertbericht-2Eine seltsame Atmosphäre: Draußen taucht das Flutlicht des Stadions die Umgebung in diffuses Licht – weil dort gerade Hannover 96 gegen den “Glub” aus Nürnberg antritt – und es ist bitterkalt. In der Halle brodelt und kocht es derweil: Bis in die letzten Reihen der 5000 Zuschauer wird geklatscht, werden Fäuste gereckt, wird gegrölt, gesungen, getanzt, geprungen. Und es fliegen Bierbecher, manche leer, andere voll. Bei den DROPKICK MURPHYS ist die klassische Zweiteilung – nach der vor der Bühne ein wilder Pogo entsteht, während es sich in den hinteren Reihen gepflegt stehen lässt – schlichtweg aufgehoben: Vorne, hinten, rechts, links – überall Bewegung, Hitze, feuchte Luft, Schweiß, tobende Masse.

THE COMPUTERS Live Hannover AWD Hall KonzertberichtDoch der Reihe nach: Den Anfang machen die kurzfristig ins Billing gehobenen Engländer THE COMPUTERS, die in ihrer Jugend sicher ganz viel THE HIVES gehört haben und ziemlich energetischen Kreisch-Rock’n'Roll in die Halle feuern. Zum Hauptact passen sie damit freilich wie der Frosch zum Autoreifen. Und auch wenn die Truppe durchaus Potential andeutet, macht der Soundmischer alles zunichte: Das Ganze klingt nämlich wie permament übersteuert und scheppert krachend-rüde vor sich hin. Ein leider eher überflüssiger Auftritt.

Das genaue Gegenteil sind dann natürlich THE BOUNCING SOULS. Bedauerlicher Weise sehen das aber diverse Anhänger der Hauptband anders. Und so wird die Punklegende aus New Jersey BOUNCING SOULS Live Hannover AWD Hall Konzertberichttatsächlich mit Pfiffen (!) begrüßt. Es ist schon seltsam: Da steht eine der wichtigsten Bands der vitalen Ostküstenszene auf der Bühne, weit länger im Geschäft als ihre heute auftretenden Epigonen – und das Publikum reagiert nach dem Motto “Ich interessiere mich nur für die DOPKICK MURPHYS, scheiß auf den Rest”. Naja, wer nicht will, der hat schon – und damit diese großartige Band eigentlich auch nicht verdient. Sänger Greg Attonito kämpft jedenfalls tapfer gegen “Let’s Go Murphys”-Rufe aus dem Publikum an, die Truppe spielt sich durch Hits wie “Private Radio”, “Hopeless Romantic” und “True Believers”. Und verhaspelt sich dann ausgerechnet beim Band-Hit “Gone” – symptomatisch für diesen irgendwie unter einem schlechten Stern stehenden Auftritt, dessen Nicht-Gelingen allerdings nicht die BOUNCING SOULS, sondern ein leider zum Großteil ignorantes Publikum zu verantworten hat.

In der kurzen Umbaupause kommt die Nachricht, dass Hannovers Moa Abdellaoue die 1:0-Führung gegen Nürnberg erzielt hat. Es läuft, es ist angerichtet! Als das Licht ausgeht, erfasst der “Let’s Go Murphys”-Schlachtruf die gesamte Halle. Klatschen, rufen, gespannte Erwartung. Und wie um diese Erwartung noch ein wenig in die Länge zu ziehen und die Spannung zu steigern, lässt die Band ein kaum enden wollendes Intro vom Band erklingen. Dann endlich: Fallender Vorhang, anspringendes Bühnenlicht, Scheinwerfer, DROPKICK MURPHYS, “The Irish Rover”. Ab jetzt gibt es kein Halten mehr. Das durchdrehende Publikum zelebriert Songs wie “Barroom Hero”, “The Warrior’s Code”,  “Flannigan’s Ball”, “The Auld Triangle” oder “Peg O My Heart”. Großartig: “Johnny, I DROPKICK MURPHYS - Live AWD-Hall Hannover KonzertberichtHardly Knew Ya”, bei dem die gesamte Halle das “Hurroo Hurroo” intoniert. Zwischenzeitlich erklärt die Band um Ken Casey und den überraschend gut Deutsch sprechenden Al Barr, dass hier gerade Geschichte geschrieben wird, weil der Auftritt in Hannover das bislang größte jemals in Deutschland gespielte Konzert ist.

Nach einem zum Abkühlen eingeschobenen Unplugged-Set dann wieder kollektives Durchdrehen bei “I’m Shipping Up To Boston”. Da liegen sich plötzlich alle in den Armen: Vom schmächtigen Soziologie-Studenten (der irgendwie eine nerdige Vorliebe für Irland und Irish-Folk entwickelt hat) über den klassischen Murphys-Fan (leicht übergewichtig, T-Shirt, Tattoos, Schiebermütze) bis hin zu finster dreinblickenden Hooligan-Schränken (schwer übergewichtig und eine latente Aggression ausstrahlend). Speziell die Mitglieder der letzten Gruppe machen den Eindruck, dass man lieber keinen Streit mit ihnen anfängt (indem man sie zum Beispiel als “irgnorantes Publikum” beschreibt!).  Zur Zugabe bitten die DROPKICK MURPHYS für “Kiss Me I’m Shitfaced” Damen aus dem Publikum auf die Bühne – was schnell zu einer wahren Invasion wird: Während es zunächst tatsächlich ausschließlich weibliche Fans sind, die auf der Bühne die sprichwörtliche Sau rauslassen, stürmen später auch Fans dazu, die in puncto Oberweite zwar ebenbürtig sind – dennoch aber klar dem anderen Geschlecht zugeordnet werden müssen. Als etwas frühen und durchaus überraschenden Schlusspunkt setzt die Gruppe ein Cover. Aber was für eins: “T.N.T.” von AC/DC!

Dann dürfen die diversen Getränkestände noch ein wenig Umsatz machen. Denn während die Besucher bei anderen Konzerten nach Ende des Gigs meist nur noch ihr Pfand zurückverlangen, haben die Fans der DROPKICK MURPHYS nach der schweißtreibenden Veranstaltung (aber wahrscheinlich auch so!) ungeheuren Bierdurst. Draußen verlaufen sich derweil die letzten 96-Fans. Es ist beim 1:0 geblieben: Yip, ein in jeder Hinsicht gelungener Abend!

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