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Him (EXCREMENTORY GRINDFUCKERS): “Der Arabische Frühling des Grindcores!”

Him

Die Geschichte der EXCREMENTORY GRINDFUCKERS ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Auch heute noch hören viele Metaller und Grindcoreler mürrische Krachmacher, obwohl die GRINDFUCKERS lustiger und partytauglicher sind. Deshalb ist es uns wichtig, die Band selbst sprechen zu lassen. Denn die GRINDFUCKERS bleiben nicht außen vor wie andere Bands, sondern zimmern ihren Sound genau dahin, wo er hingehört: Ins Innere des Gehörgangs. Man sieht sie, man hört sie – und kann sich das eine oder andere Schmunzeln nicht verkneifen. Die GRINDFUCKERS: Damit der Grindcore nicht sauber und diskret abläuft!

Die Antworten gab uns Him, der nach eigenen Angaben “acht Dosen Fisch in Tomate auf’n Mal” zu verspeisen vermag und der als Einziger in der Band “nicht singen kann”, es aber trotzdem tut “und deshalb auch Sänger” ist, der bei Live-Konzerten “seine Finger auf dem Keyboard fehlplaziert” und der “als Trompetist der Stefan Mross des Grindcores” ist.

METAL4HANNOVER: Wann habt ihr euch gegründet und seit wann spielt ihr in eurer aktuellen Besetzung zusammen?
Him
Gegründet haben wir uns kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als ich mich vor dem zerstörten Führerbunker mit Rob (Gitarre, Anm. d. Red.) und drei weiteren Trümmerfrauen um ein Stück gut erhaltene Gitarre stritt. Weil wir just von den Russen gelernt hatten, was Sozialismus ist, beschlossen wir zu teilen, und fortan durfte jeder das Stück Gitarre einen Tag haben. Das Blöde an der Sache war halt, dass man sich nun mindestens einmal pro Woche sah. Und so wurde über die Jahre Liebe aus der Zweckgemeinschaft.
Him
METAL4HANNOVER: Beschreib doch mal die Band in einem Satz!
Him
Fünf feine Seppel auf dem Weg zu Weltruhm - und zurück. Der Arabische Frühling des Grindcores!
Him
METAL4HANNOVER: Und jetzt charakterisiere bitte deine Bandkollegen in je einem Satz!
Him
Christus (Drums, Anm. d. Red.) ist ein Leguan im Gollum-Kostüm, Gott des verbogenen Metronoms, Manager der Herzen. Horn (Vocals, Anm. d. Red.) ist stiller Vertreter und kreatives Füllhorn, Kölner Nachwuchstalent und nachtaktiv. Rob ist unser brachialer Glatzenpeer mit Schwäche für Fleisch und nervtötende Popsongs. Und Pempas (Bass, Anm. d. Red.) ist ein Trottel.
Him
METAL4HANNOVER: Wer sind eure musikalischen Vorbilder?
Him
Rob.
Him
METAL4HANNOVER: Wie wichtig sind euch die Texte?
Him
Also die von NEBELMACHT (dem "Black-Metal"-Nebenprojekt von Him und Rob, Anm. d. Red.) waren mir sehr wichtig. Sie haben alles zum Ausdruck gebracht, was ich in den Tiefen meiner Seele fühlte. Sie waren so wunderbar uaaaaargh! Ansonsten singen wir bei den GRINDFUCKERS ja hauptsächlich über uns selbst. Das hat eine schöne therapeutische Wirkung und hilft uns, uns besser zu fühlen als wir sind.
Him
METAL4HANNOVER: Wie entsteht ein Song bei euch? Wer schreibt beziehungsweise komponiert die Tracks und wie verläuft der Entstehungsprozess?
Him
Achtung, ich gebe jetzt aus Spaß eine ernsthafte Antwort: Die meisten Songs beginnen mit einer Idee, egal wer sie hat. Horn, Christus, Pempas, Rob oder ich. Damit gehen wir dann meist zu Rob, und der hat die beneidenswerte Gabe, den Murks in einen nachvollziehbaren Song einzufassen. Dann steht oft das Instrumental, beim Gesang sind dann meist wieder alle beteiligt. So war's zumindest auf den letzten beiden Scheiben und so soll's auch bleiben. Wir sind jedenfalls weniger eine Probenraumband, die ekstatisch rumjammt und sobald sie dabei in eine höhrere Welt vorgedrungen ist, den Mist auf Kassette festhalten und als geniale Eingebung einer höheren Vorsehung rausbringen muss. So wie METALLICA zuletzt.
Him
METAL4HANNOVER: Wofür steht euer Bandname?
Him
Für ehrliche Mucke ohne Wenn und Aber. Für gute Unterhaltung. Manchmal für Nonsens, was überraschenderweise immer noch zu polarisieren scheint. Zumindest im bierernsten Teil der Metalszene. Oft für Parodie. Live immer für druckvolle, authentische Show ohne viel pompösen Kram.
Him
METAL4HANNOVER: Welche Rolle spielt Freundschaft innerhalb der Band?
Him
Schöne Frage! Für uns eine große. Wir wollen keine Zweckgemeinschaft sein. Die GRINDFUCKERS gibt es jetzt seit über zehn Jahren - und bei dem Aufwand, den das für jeden Einzelnen neben regulärem Job und Privatleben bedeutet, würde es diese Band wohl nicht mehr geben, wenn wir nicht Bock darauf hätten, gemeinsam stundenlang im Bus abzuhängen und jede Menge Spaß zu haben. Freundschaft ist der Kitt, der diese Band seit zehn Jahren zusammenhält.
Him
METAL4HANNOVER: Was verbindet euch mit Hannover? Was findet ihr besonders gut, was richtig scheiße?
Him
Mit Hannover verbindet uns eine Hassliebe. Sonst nicht mehr viel. Immerhin wohnt von uns nur noch einer dort, die anderen sind alle geflüchtet. Für weitere Informationen zu unserer Meinung höre man sich den todernst gemeinten GRINDFUCKERS-Song "Hannover" an.
Him
METAL4HANNOVER: Was ist euer Lieblingsort in Hannover?
Him
Rob und ich haben neulich eine Karaoke-Kneipe in einem namenlosen Stadtteil Hannovers entdeckt, das Bel Air in der Roscherstraße. Das war ein schöner Ort. Vor allem, weil wir mit Abstand die jüngsten dort waren. Wir fühlten uns so unsagbar adoleszent. Ansonsten ist das Rocker am Steintor ganz nett.
Him
METAL4HANNOVER: Wem aus der Stadt würdest du einen Orden verleihen und wofür?
Him
Chrille Wulff für so viel aufrechten Zynismus: "Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben", sagte er im Jahr 2000 zur Rau-Affäre.
Him
METAL4HANNOVER: Wie muss man sich eine Live-Show von euch vorstellen?
Him
Wir machen nichts Besonderes – aber das machen wir ganz gut, denk ich. Wir sind wir, jeder Einzelne von uns gibt bei jedem einzelnen Gig Vollgas, und wir sind uns für nix zu schade. Außer für großen Pomp, der von Spielfehlern ablenken soll. Unser Motto ist vielleicht: Lieber eine gute Show und Vollgas, als sich 90 Minuten wie nen Brett über der Gitarre bücken und die Finger beobachten. Ich denke, man merkt uns auf der Bühne an, dass wir das ganze GRINDFUCKERS-Ding nie für Kohle gemacht haben, sondern immer für uns und die Leute, die das mögen. Eine Live-Show ist ein einziges Geben und Nehmen.
Him
METAL4HANNOVER: Was war euer peinlichster Auftritt bislang und warum?
Him
Ich hab mir mal nach 'nem Gig 'nen Basketball in die Hose gesteckt. Das war mir aber gar nicht peinlich - komisch! Ob wir uns jemals blamiert haben? Vielleicht, aber ein solcher Gig wurde aus unseren kollektiven Gedächtnis ersatzlos gestrichen.
Him
METAL4HANNOVER: Was war euer grandiosester Auftritt bislang und warum?
Him
Naja, die Highlights sind sicher immer die großen Festivals. Man kann solche Erlebnisse getrost als "berauschend" bezeichnen. Aber: Auch die kleineren Shows, gerade die kleineren Touren, waren immer ein Highlight. Und da kommen wir auf das Thema Freundschaft in der Band zurück: Stell dir vor, du darfst ein paar Tage hintereinander mit deinen Freunden in den Urlaub fahren, musst keinen Penny zahlen, kriegst - zumindest abends - meist leckere Dinge zu essen und, wenn du möchtest, viel Bier. Und geile Musik. Und dazu lernst Du noch jede Menge toller Leute kennen. Ist das nicht wirklich grandios?
Him
METAL4HANNOVER: Womit fahrt ihr zu euren Auftritten? Habt ihr ein Bandmobil?
Him
Nö. Da hat niemand Lust, sich drum zu kümmern. Wir fahren mit Mietwagen von ganz banalen Unternehmen. Abholen, fahren, einsauen, abgeben. Das ist bequem. Und für sowas brauchen wir dann halt die Gage.
Him
METAL4HANNOVER: Mit welcher Band würdet ihr gerne mal auf Tour gehen? Warum ausgerechnet diese?
Him
Och, da gibt's schon einige. Allerdings kommt es uns weniger auf deren Musik an - auch wenn die natürlich auch irgendwie passen muss für die Fans - sondern viel mehr auf die Leute. Wenn wir 'ne Band kennenlernen und das passt von den Leuten und vor allem zu unseren Vorstellungen vom Touren, spricht in der Regel nix dagegen, mal mit denen auf Tour zu gehen. Wir werden weiterhin für keine Band deren Tourbus und Tross finanzieren. Nix Pay-to-play. so ein Nepp!
Him
METAL4HANNOVER: Was ist dein Lieblingsfestival? Warum ausgerechnet dieses?
Him
Ich für meinen Teil find das SUMMER BREEZE immer noch ganz großartig. Aber auch das ROCK IM BETONWERK letztes Jahr war famos. Festivals, bei denen echte Überzeugungstäter am Werk sind, beeindrucken mich. Wir haben mal auf einem Festival gespielt, für dessen Finanzierung der Veranstalter seinen Bausparvertrag aufgelöst hat. Uiuiui…
Him
METAL4HANNOVER: Wer ist der beste Musiker aller Zeiten und warum?
Him
Es gibt viele interessante Persönlichkeiten unter Musikkünstlern. Ich bewundere an solchen Leuten ihre Kreativität und ihre Fähigkeit, nicht passiv zu werden über all die vielen Möglichkeiten, die heute an jeder Ecke dazu einladen: Zeitdruck, Beruf, Medien, Computerspiele, Konsum, Partyzwang und so weiter. Wir als Band merken oft, wie schwierig das im Alltag ist. Auf einen bestimmten Musiker will ich mich nicht festlegen. Meines Erachtens gibt es nicht "den besten". Es gibt zahllose Künstler, die Beeindruckendes und nachhaltig Inspirierendes geschaffen haben. Devin Townsend genauso wie Alf von KNORKATOR, Mikael Akerfeld wie Dirk Riegert von JANUS, Dave Mustaine oder Mike Patton. Von den klassischen Komponisten will ich gar nicht erst anfangen. Meist beeindrucken mich Ambivalenz und Vielfältigkeit.
Him
METAL4HANNOVER: Was sind deine vier Lieblingsplatten?
Him
OPETH – "Still Life": Die stimmigste Platte der Band. Grandioses Konzept. Ein Album wie eine Reise. Vom Feinsten. DARK TRANQUILLITY – "Damage Done": Die Schweden auf ihrem Zenit. Ein absolutes Highlight des Göteborg-Hypes. Musikalisch bin ich ja eher ein Kind der späten Neunziger, ein Metal-Spätzünder. EAV – "Geld oder Leben": Meine erste große Liebe. Schon mit sechs oder sieben Jahren war diese Scheibe der Soundtrack auf meinem Schulweg. Die EAV sind für mich so was wie die Großväter der Grindfuckers. FARMER BOYS – "The World Is Ours": Die perfekte Symbiose aus Pop-Hooklines und tonnenschweren Riffs. Für mich im Jahr 2000 sowas wie eine kleine Sensation. HELLOWEEN – "Keeper of the Seven Keys I+II": Nur echt mit Kiske. Ein Irrsinn, dass dieser Knilch damals gerade 19 Jahre alt war. Was für eine Goldkehle, was für ein gutes Songwriting. JANUS – "Schlafende Hunde": Brilliant düsteres Konzept, weit mehr als der übliche Gothic-Knochenwerfer-Kram. Eine wirklich finstere Platte, leider mit schwachem Gitarrensound. MEGADETH – "Countdown to Extinction": Neben GUNS N' ROSES und METALLICA schon meine Begleitmusik beim Lego spielen. Kein Witz. RICHTHOFEN – "Seelenwalzer": Eine soundtechnische Offenbarung anno 1997. Eine brachialste Soundwand zum Niederknien. Ein wahrlich unterbewertetes Kleinod der Neunziger! TESTAMENT – "The Gathering": Na klar: Von Anfang bis Ende die absolute Thrash-Vollbedienung. UNDERTOW – "Don’t Pray to the Ashes": Wenn dich deine Mama heute fragt, was Metal ist, gib ihr diese Platte. SUBTERRANEAN MASQUERADE – "Suspended Animation Dreams": Ein kleiner Kosmos der Experimente, eine schöne Symbiose aus grunzigem Metal und entspanntem Samstagabend-Jazz. War'n das schon vier?
Him
METAL4HANNOVER: Welche Platte war die erste, die du jemals gekauft hast?
Him
Die erste Kassette war "Schweinefunk" der EAV mit neun Jahren, die erste CD "Kauf mich" von den TOTEN HOSEN mit elf Jahren.
Him
METAL4HANNOVER: Welche Platte hast du dir zuletzt gekauft?
Him
"Agony" von den überragenden FLESHGOD APOCALYPSE. Ein Spontankauf, mit dem ich ausnahmsweise mal nicht ins Klo gegriffen habe. Bei jedem Kauf einer Platte habe ich übrigens die Angst, dass mir als nächstes jemand diese Frage stellt und ich irgendwann mal was Peinliches antworten muss. Am schlimmsten war die Angst bei Alexander Marcus. Da hab ich schnell irgend'ne dumme Death-Metal-Scheibe hinterhergekauft.
Him
METAL4HANNOVER: Hast du schon mal eine Platte allein aufgrund des Artworks gekauft?
Him
Klar. Aber selbst wenn die Mucke scheiße war, war dann immerhin noch die andere Hälfte des Kunstwerks klasse. Also nicht unbedingt 'n Fehlkauf.
Him
METAL4HANNOVER: Was machst du neben der Musik? Hast du irgendwelche Hobbys?
Him
Ja. Nebenher arbeite ich noch Vollzeit. Wie alle anderen Bandmitglieder auch. Ansonsten: Viele andere Hobbys sind hinter den GRINDFUCKERS zurückgetreten.
Him
METAL4HANNOVER: Samstagabend trifft man dich …
Him
… im Winter eher zuhause, im Sommer eher auf Festivals.
Him

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