Metal4 Metal4 Mehr

Newsletter!




METAL4KÖLN zu Besuch bei METAL4HANNOVER!

16. Dez. 2011 | von


Metal4koeln-logo1Seit Mitte Oktober ist unsere Hauptseite METAL4 bereits online. Kurze Zeit später folgten die Regionalmagazine METAL4HAMBURG, METAL4KÖLN und METAL4HANNOVER – höchste Eisenbahn also, den Kolleg(inn)en der anderen Lokalredaktionen eine kleine Stippvisite abzustatten und sich von ihnen ihre Stadt zeigen zu lassen.
Den Anfang machen in dieser Woche METAL4KÖLN und METAL4HANNOVER. Frei nach dem Motto: “Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen”, geht es von der Domstadt in die niedersächsische Landeshauptstadt.
Mit MOTÖRHEADs “Locomotive” im Ohr verlasse ich Samstagvormittag den Hauptbahnhof gen Norden. Während sich der Zug erst durchs Ruhrgebiet und dann durch Westfalen pflügt, ziehe ich mir zur Vorbereitung erstmal FAT BELLYs Ode an ihre Heimat “Hannover” rein. Die flotte Punkrock-Nummer mit leichtem Ska-Einschlag sorgt sofort für Sommer-Feeling im Dezember. Allerdings klingt der Reim von “Esprit” auf “Maschsee” im Refrain schon reichlich behämmert. Daher entscheide ich mich – inspiriert von dem Haufen gackernder Teenie-Hühner, die mir schräg gegenüber sitzen und sich schon seit ‘ner geschlagenen Viertelstunde darüber kaputtlachen, dass einer von ihnen die voll gepackte Einkaufstüte im Gang geplatzt ist – für “Kids Killing Kids” von CRIPPER. Die Landschaft draußen wird flacher und flacher, die Dachziegel wechseln von grau auf rot und ich bin nur noch wenige Kilometer vom Ziel entfernt, da hält der Zug plötzlich mitten auf der Strecke. Kurze Zeit später meldet sich der Zugführer: “Die Weiterfahrt verzögert sich leider auf unbestimmte Zeit, weil mal wieder irgendein Bauer nicht auf sein Vieh aufgepasst hat.” Na toll! Kommt das in Niedersachsen etwa häufiger vor? Bei uns in Kölle gibt’s das jedenfalls eher selten. Da heißt es in der Regel eher Personenschaden, Gleis eingefroren oder Kabel geklaut…
ENGRAINEDs Debüt-EP “Anger, Roots And Rock’n’Roll” ist jedenfalls schon lange durch, als wir endlich wieder anrollen und zumindest bis zum nächsten Bahnhof weiterfahren können. In Wunstorf werden dann alle, die nach Hannover wollen, angewiesen, sich zum Busbahnhof zu begeben. Blöderweise stehen da ungefähr noch 200 andere Leute, aber kein Bus. “Waiting For An Alibi” von THIN LIZZY schafft auch kaum Abhilfe angesichts des wütenden Mobs und der klirrenden Kälte. Immerhin erhalten wir die Information, dass in der Nähe an die 50 Pferde ausgebrochen sind, die nicht nur die Bahnstrecke in beide Richtungen, sondern auch den Betrieb auf der A2 lahm gelegt haben. Ob das wohl reinrassige Hannoveraner sind? Statt auf den “Highway To Hell” geht’s schließlich doch noch mit dem Zug weiter, allerdings zunächst nur im Schritttempo.
Hannover Unterm Schwanz Copyright Sören NolteNach vier Stunden halten wir endlich im Hbf von Hannover. M4H erwartet mich unterm Schwanz. Unterm Schwanz??? Ganz richtig glesen: Vor dem Haupteingang steht ein monströses Reiterdenkmal, das Ernst August I – also einen Vorfahren des berühmt-berüchtigten gleichnamigen Pinkelprinzen – hoch zu Ross zeigt. Unterm Schwanz steht M4H, den ich erstmal mit einem zünftigen “Here I am, rock you like a Hurricane!” begrüße – nur, um gleich darauf zu erfahren, dass die SCORPIONS in ihrer Heimatstadt alles andere als gut angesehen sind. Von Pferden habe ich allerdings erstmal die Schnauze voll. Stattdessen brauche ich auf den ganzen Schrecken jetzt dringend einen Schnaps. In Hannover trinkt man Lüttje Lage, erfahre ich. Die besteht aus einem kleinen Glas dunklem Bier und einem Korn, die man sich per spezieller Fingertechnik gleichzeitig in den Rachen laufen lässt. AC/DCs “Have a Drink on me” im Ohr, schütte ich mir beim ersten Versuch mit Schmackes die Hälfte von dem Gesöff in die Nase und auf mein KISS-Shirt.
Hannover Lüttje LageDer nächste Versuch klappt dann aber schon besser. Die Farbe des Hopfengetränkes erinnert zwar bedrohlich an Altbier, aber mit zwei zugedrückten Augen und der Schnaps-Beilage drink ich noch ene mit, bevor wir uns in die Südstadt aufmachen, um zunächst das Gepäck abzustellen. Mein Gastgeber hat auf meinen Wunsch hin eine hannoversche Spezialität gekocht: Grünkohl mit Bregenwurst. Nachdem wir uns ausgiebig damit gestärkt haben, geht’s auch schon wieder los Richtung Stadion, denn heute Abend spielt dort der Kölner Lokalrivale Leverkusen gegen Hannover 96.
Hannover Maschsee  Copyright Sören NolteAuf dem Weg halten wir dann am Julian’s, das direkt am Maschsee liegt. Bei einem schmackhaften Herrenhäuser Pils erzählt M4H, dass der künstlich angelegte See quasi auf eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Nazis Anfang der 1930er zurückgeht. Im Sommer findet hier das Maschsee-Fest statt – ein rund zweiwöchiges Stadt- bzw. Volksfest, bei dem auch örtliche Bands wie FAT BELLY oder SWEETY GLITTER schon aufgetreten sind.
In der Nordkurve, dem Stammplatz der hannoverschen Fußball-Fans, ist die Stimmung bereits prächtig, als wir gegen 17:30 Uhr dort eintreffen. Rechts von uns flattern die grün-weiß-schwarzen Fahnen der Brigade Nord, aus den Stadionlautsprechern dröhnen NIRVANA und links von mir entdecke ich auf einmal sogar ein Banner der 96 Kölsch-Fans. Die Leverkusener konnten den Pferden auf der Hinfahrt offenbar gerade noch so ausweichen, denn es haben sich auch zahlreiche Fans im Gästeblock versammelt. Als 96-Torwart Zieler dann gemeinsam mit dem wieder genesenen Miller und Torwarttrainer Jörg “Colt” Sievers den Rasen betritt, ertönt AC/DCs “Thunderstruck” aus den Lautsprechern.
Hannover-96-StadionDie Mannschaft läuft kurze Zeit später zu QUEENS “We Will Rock You” ein und schließlich ist es Zeit für die Stadionhymne “Alte Liebe”, die wie immer von Ossy und Dete live vorgetragen wird. Das Spiel verläuft schnell und spannend, aber Hannover 96 fehlt immer wieder das letzte Quäntchen zum Torglück. Die Fans feiern ihre Mannschaft dennoch von der ersten bis zur letzten Minute ab und nehmen sich zwischendurch die Zeit, den direkten Lokalrivalen Braunschweig gesanglich und mit klingelnden Schlüsselbünden zur Melodie von “Jingle Bells” zu verhöhnen. Hannover und Leverkusen trennen sich schließlich torlos, doch frei nach dem kölschen Motto “Et es, wie et es”, lassen wir uns die Feierlaune davon nicht verderben. Für die angestrebte Kneipentour reicht die Energie allerdings nicht mehr, weshalb wir den Abend mit zwei Gläsern Rotwein und einer Rundreise durch den Backkatalog der SCORPIONS in M4Hs Wohnzimmer ausklingen lassen.

Der nächste Tag beginnt mit einem kräftigen Kater-Frühstück inklusive frisch aufgebrühtem Machwitz-Kaffee, der auch Untote wieder zum Leben erwecken würde, und musikalischer Untermalung von VICTORY. M4H und M4K sind sich schnell einig, dass die Oldschool-Hard-Rocker mit ihrer letzten Scheibe “Don’t Talk Science” ein überaus gelungenes Werk veröffentlicht haben. Gegen Mittag beschließen wir, uns noch ein wenig in der Stadt umzuschauen.
Hannover HaarmannAuf den Spuren des Massenmörders Fritz Haarmann, der in den 1920er Jahren zahlreiche Jungen erst zu Tode biss und dann zerstückelte, zeigt M4H mir die Straße, in der der „Werwolf von Hannover“ bis zu seiner Verhaftung gelebt hat. Danach geht’s weiter zum Steintor, dem Rotlichtviertel der Stadt. Allerdings ist um diese Uhrzeit dort noch vergleichsweise wenig los. Dafür zeigt M4H mir die Metal-Kneipen Heartbreak Hotel und Rocker, die – jedenfalls von außen betrachtet – einen viel versprechenden Eindruck machen und sofort auf unserer To-Do-Liste für den nächsten Besuch landen. Wir beschließen, noch einen Abstecher auf den Weihnachtsmarkt zu wagen. Zunächst geht’s in den Zauberwald, einem künstlich geschaffenen Tannenwald mitten in der Fußgängerzone, der leider brechend voll ist. Zu allem Unglück quetscht sich auch noch ein Zigeuner-Trupp mit Akkordeon und Flöten durch die Menge und spielt dabei einminütige Versionen von exakt drei Weihnachtsliedern und irgendeinem unbekannten Chanson. So brechen wir recht bald wieder auf und schlendern eine Runde über den neu eröffneten Mittelalter-Weihnachtsmarkt am Leine-Ufer entlang. Auf einer kleinen Bühne jongliert ein Mann zur Melodie von „Herr der Ringe“ mit zwei an Ketten befestigten Feuerbällen. Von Erdkunde versteht der in Pagan-Zwirn gekleidete Mann allerdings nicht so viel. Anstatt in Mordor oder in Hanovere, wie die Stadt im Mittelalter hieß, wähnt sich der Feuerjongleur nämlich in Irland. “Und vor uns breiten sich die schneebedeckten Berge der Karpaten aus!”, fantasiert er weiter. Nee, is’ klar! Wir überlegen kurz, wie sich wohl Irish Folk mit Fujara statt mit Tin Whistle anhören würde, verwerfen diese absurde Idee jedoch sofort wieder. Nachdem wir noch einen Blick auf die zahllosen Messer, Schwerter, Ketten, Diademe und Methörner geworfen haben, ziehen wir weiter zum finnischen Teil des Weihnachtsmarktes.
Hannover-Weihnachtsmarkt-Renate-HermesmeierIm dort aufgestellten Zelt machen wir es uns mit einem Glögi gemütlich und wärmen uns am Feuer auf. Jetzt fehlt nur noch der passende Soundtrack von SENTENCED. Stattdessen erklingt auf einmal wieder das Akkordeon-Geträller der Zigeuner-Kapelle von draußen. Wie sagte Lemmy noch: “Nur weil du nicht paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht trotzdem hinter dir her sind!”. Zum Glück ist der Trupp nach fünf Minuten mal wieder am Ende mit seinem Repertoire und zieht bald darauf ab – noch bevor wir lauthals TURISAS “Stand Up And Fight” anstimmen können. Nachdem wir uns mit einem weiteren Glögi und einer Riesenportion Flamm-Lachs gestärkt haben, treten auch wir den Heimweg an. Der Abend endet mit “Cheap Luxury Bomb” von HORE und einer exquisiten Songauswahl aus M4Hs riesiger IRON-MAIDEN-Sammlung nebst einem Potpourri alter Sleaze-Metal-Perlen.
Am nächsten Morgen ist es Zeit, wieder den Zug Richtung Heimat zu besteigen. Während der ICE gen Süden aus dem Bahnhof rollt, liefern BETTIE FORD mit “I’m on my way to Rock City”, dem Kult-Refrain von “The Day I Missed The Bus To Memphis” ihrer Debüt-Rille “League Of Fools“, den passenden Soundtrack. Nach knapp drei Stunden vergleichsweise ereignisloser Fahrt rollen wir schon am Schanzenviertel und der Lanxess-Arena vorbei. “Mama, I’m coming home” von OZZY OSBOURNE im Player, schieben wir uns endlich über die Hohenzollern-Brücke mit den zahlreichen Liebesschlössern an beiden Geländern dem Dom entgegen. Auf dem Weg zu meinen heimatlichen Gefilden in der Nähe der Innenstadt, den ich mir mit THE OTHER ein wenig verkürze, stelle ich beruhigt fest, dass sich seit meiner Abwesenheit nichts geändert hat.

Metal4hannover - Logo kleinAlles in allem hat sich die Stippvisite nach Hannover durch und durch gelohnt – auch wenn die örtliche Konzert- und Kneipenkultur dabei leider etwas auf der Strecke geblieben ist. Dafür gab es jede Menge Kulinarisches und Musikalisches zu entdecken. Pferde, Fußball und Weihnachtsmarkt in Niedersachsen sind ebenfalls nicht zu unterschätzen – im positiven wie (im Fall der Pferde und der Zigeunerkapelle) negativen Sinne. Und schließlich sollte man sich ja immer noch etwas übrig lassen für den nächsten Besuch, der bestimmt demnächst stattfinden wird!
Wir halten euch garantiert hier im Blickwinkel auf dem Laufenden!

Keep on rockin’,
M4H und M4K

Text: Lisa Stegner
Fotos: Sören Nolte (außer Weihnachtsmarkt-Foto: Renate Hermesmeier)

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Schon ein Kommentar
Gib deinen Senf dazu! »

  1. [...] der ein oder anderen Sehenswürdigkeit in Niedersachsens Hauptstadt findet ihr in der Rubrik “Blickwinkel” auf der [...]

Gib deinen Senf dazu!

Du musst eingeloggt sein um deinen Senf dazugeben zu können.