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29.11.2011: Monster Magnet, Hannover (Capitol)

30. Nov. 2011 | von


Monster Magnet Hannover Capitol 29.11.2011 Live ReviewWas macht der da bloß? Immer wenn Dave Wyndorf gerade nicht mit Singen beschäftigt ist, dreht er dem Publikum den Rücken zu und stellt sich direkt vor seinen Gitarren-Amp. Was genau er da treibt, bleibt den Fans aber verschlossen. Liest er gemütlich ein Buch? Surft er ein wenig im Internet? Lernt er eine Statistik-Tabelle der sowjetischen Eishockeymeisterschaft 1972/73 auswendig? Man weiß es nicht. Ein Großteil des Publikums tippt darauf, dass er da irgendeine Art kleinen Synthesizer stehen hat. Und das könnte tatsächlich stimmen. Denn ab und an sind zaghafte Elektro-Fetzen zu vernehmen, wenn er da rumsteht und werkelt.

Und das ist schon ein gehöriger Unterschied zu seiner Gitarre. Denn die hört man gar nicht. Das liegt zum einen daran, dass Wyndorf pro Song ohnehin gerade zwei- bis dreimal in die Saiten greift – und zum anderen daran, dass die Gitarre zwar eingestöpselt, aber so leise abgemischt ist, dass sie vollkommen untergeht. Damit hängt die Klampfe ähnlich nutzlos an ihm rum wie die Handtasche an Queen Elisabeth.

Irgendwie ist die gesamte Bühnenpräsenz, die den MONSTER MAGNET-Magier einmal auszeichnete, verloren gegangen. Das ist zum Teil sicher den kolportierten physischen und psychischen Problemen des mittlerweile 55-Jährigen geschuldet – und durchaus ein wenig erschreckend zu beobachten. Früher war Dave Wyndorf mitreißend, bisweilen diabolisch. Und er zertrümmerte Gitarren auf der Bühne. Jetzt ist er aufgegangen wie ein Hefeteig und watschelt zwischen Mikrofonständer und Gitarren-Amp hin und her wie ein Pinguin im Tropensturm.

So ist es also an seiner Begleitband, für den nötigen Wumms zu sorgen. Das haben die Jungs aber freilich drauf. Garret Sweeny und Phil Caivano knallen die klassischen Zeitlupen-Riffs ins halbvolle Capitol. Basser Jim Baglino geht dazu ab wie ein wilder Deckhengst, der zu lange im Zaum gehalten wurde. Trotzdem dauert es eine Weile, bis der Funke überspringt. Und das liegt eben hauptsächlich an Mastermind Wyndorf: Nicht nur, dass die Fans über weite Strecken nur seinen Rücken zu sehen bekommen, es gibt auch keine Ansagen und keine Kommunikation mit dem Publikum.

Zudem konzentriert er sich heute ja auf die Durchbruchs-Scheibe “Dopes To Infinity“. Und die ist über weite Strecken nun mal eher zum bedröhnten Chillen gemacht, denn zum Rocken im Konzertsaal – auch wenn “Negasonic Teenage Warhead” zweifellos ein Band-Klassiker ist und auch entsprechend gefeiert wird. So richtig Schwung kommt aber trotzdem erst beim Zugabenblock in die Sache: Da spielt die Truppe “Powertrip” und – natürlich! – “Space Lord”. Man fragt sich dabei schon ein wenig, warum die Band sich auf “Dopes To Infinity” verlegt hat und ihren Fans – wenn schon eine einzelne Scheibe im Mittelpunkt des Konzerts stehen soll – nicht das wesentlich schmissigere Nachfolgealbum “Powertrip” serviert.

Bleibt abschließend höchstens noch zu erwähnen, dass die Anheizer BLACK SPIDERS ihre Sache recht gut machen – aber mit einem der miesesten Vorband-Sounds aller Zeiten zu kämpfen haben. Und dass sich der MONSTER MAGNET-Merchverkäufer weigert, Produkte der BLACK SPIDERS zu verkaufen, weshalb das von den Bandmitgliedern persönlich erledigt werden muss. Am selben Stand wohlgemerkt.

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