Metal4 Metal4 Mehr

Newsletter!




06.11.2011: BOB DYLAN UND MARK KNOPFLER, HANNOVER (TUI-ARENA)

8. Nov. 2011 | von


Bob Dylan Live TUI ArenaWas haben die Songs “Knockin’ On Heaven’s Door” von GUNS N’ ROSES, “It Ain’t Me Babe” von Johnny Cash, “Mr. Tambourine Man” von den BYRDS, “All Along The Watchtower” von Jimi Hendrix und “Like A Rolling Stone” von – klar! – den ROLLING STONES gemein? Sie alle waren Welthits, sie alle schrieben Rock-Geschichte – und sie alle stammen aus der Feder von Bob Dylan. Und sämtliche Künstler hatten mit ihren Coverversionen mehr Erfolg als der Meister selbst.

Ein wenig scheint es da beinahe folgerichtig, wenn Dylan selbst sich da eher an den erfolggekrönten Fassungen orientiert und quasi die Coverversionen seiner eigenen Songs covert. Diesen Eindruck gewinnt man speziell bei “All Along The Watchtower” und “Like A Rolling Stone”. Aber es würde viel zu kurz greifen, wenn man ihn darauf beschränkte. Denn wenn Dylan auf die Bühne geht, dekonstruiert er seine eigenen Lieder. Da ist keine Spur mehr von folkiger Zurückhaltung oder hippiehafter Lagerfeuerromantik. In der TUI-Arena zerschießt er selbst die Friedenshymne “Blowin’ In The Wind” gnadenlos mit elektrischen Gitarren, knallendem Schlagzeug und wüst bellendem Gesang. Dabei stakst er in zu großem Hut, zu großer Jacke und zu dürren Beinen – die überdies in einer seltsamen Phantasie-Uniformhose stecken – zwischen Orgel, Gitarrenständer und Mikro hin und her, als wäre er die skurrile Inkarnation eines Generals aus dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg. Lightshow? Fehlanzeige. Die Bühne ist weiß ausgeleuchtet wie ein Operationssaal. Aber hier ist ja auch ein Doktor bei der teuflisch-guten Sektion seiner Songs zu bewundern.

Frühe Großtaten wie “Don’t Think Twice, It’s All Right” werden selbst von langjährigen Fans kaum noch erkannt, so sehr treibt Dylan die Gitarrenwand vor sich her und krächzt den Text beinahe unverständlich in die mit 10.000 Zuschauern ausverkaufte Halle. Nicht alle finden das gut. Schräg links von der Bühne verlässt eine ganze Gruppe von rund zehn Personen schimpfend die Tribüne: “So eine Scheiße habe ich ja noch nie gesehen!”

Mark Knopfler Live TUI ArenaHier spielen wohl zwei Faktoren eine Rolle. Zum einen könnten die Damen und Herren sich zum ersten Mal zu einem Dylan-Konzert verirrt haben und folglich noch nicht gewusst haben, auf was sie sich da einlassen. Zum anderen hat es vor Dylan‘s Auftritt noch ein weiteres Konzert gegeben. Als – nun ja – Anheizer stand Mark Knopfler auf der Bühne. Mit den DIRE STRAIGHTS hatte er einst Rock-Geschichte geschrieben: Seine Stimme wirkt im Vergleich zu Dylan sanft, seine Gitarre beinahe hypnotisch. Man kann sich treiben lassen in der Musik. Und Knopfler hat dabei größten Wiedererkennungswert. Keine Frage: Er ist einer der individuellsten und besten Gitarristen der Welt; sein Spiel tritt dabei in einen schwebenden Dialog mit seinem Gesang.

Trotz vieler guter Solo-Songs ist der Höhepunkt des Sets ganz zum Schluss Der DIRE STRAITS-Track “So Far Away”. Das ist alles wirklich großartig. Aber eben etwas ganz anderes als Bob Dylan in der grantigen Spätphase seines Schaffens. Im Grunde prallen hier Welten aufeinander. Und diejenigen Konzertbesucher, die ein wenig festgelegter auf den einen oder anderen Künstler sind – und dabei speziell diejenigen, die eher die sanften Töne von Knopfler bevorzugen – werden auch vom gemeinsamen Auftritt der beiden Protagonisten nicht versöhnt, als Knopfler den flirrenden Dylan während dessen ersten Songs auf der Gitarre begleitet. Im Gegenteil: Bob Dylan fegt sie anschließend rüde aus dem Saal.

Tags: , ,

Gib deinen Senf dazu!

Du musst eingeloggt sein um deinen Senf dazugeben zu können.