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Sam Dunn (GLOBAL METAL – DER FILM): “China hat eine lange Metal-Geschichte”

Sam Dunn

Der Kanadier Sam Dunn traf mit seinen Dokumentationen “Metal: A Headbanger’s Journey“ und “Global Metal” den Nerv der internationalen Metal-Gemeinde. Speziell der zweite Streifen sorgte füt Aufsehen, führte die Reise Die Reise doch in Weltregionen, von denen vorher kaum jemand wusste, dass dort äußerst vitale Metal-Communities existieren. Indonesien, Indien, China oder der Nahen Osten waren jedenfalls bis dahin kaum auf der Metal-Karte verzeichnet. Unter dem Motto “7 Countries. 3 Continents. 1 Tribe.” ist dabei ein Film entstanden, der gleichermaßen witzig wie neugierig ist und zeigt, dass Metal tatsächlich auf der ganzen Welt Anhänger findet. Macher Sam Dunn klärt unseren Mitarbeiter Sören Nolte über die Entstehung des Films auf.

METAL4HANNOVER: Sam, der Film kommt ja als unterhaltsame Dokumentation daher. Aber als ausgebildeter Anthropologe hast du doch sicher auch einen „wissenschaftlichen“ Anspruch an deine Arbeit.
Sam Dunn
Nun, ich habe herausgefunden, dass Metal ein globales Phänomen ist – und eben nicht nur eine Musikkultur der weißen Westlichen Welt, wie manche vielleicht denken. Es gibt da etwas Universelles, mit dem sich Menschen mit ganu verschiedenen religiösen und kulturellen Hintergründen identifizieren können. Metal ist ja eine sehr emotionale; das scheint Menschen, die mit schwierigen Lebensumständen oder politische Unruhen zu kämpfen haben – etwa in Brasilien oder Indonesien – ein Ventil zu öffnen, über das sie ihren Frust ablassen können.
Sam Dunn
METAL4HANNOVER: Du bist ja nun tatsächlich ziemlich weit rumgekommen. Von welcher Region, die du bereist hast, hättest du am wenigsten gedacht, dass dort eine lebendige Metal-Szene existiert?
Sam Dunn
Eine große Überraschung war sicher, zu erfahren, dass China bereits eine richtig lange Metal-Geschichte hat. Die bekannteste Heavy-Band dort, TANG DYNASTY, war tatsächlich schon in den Neunzigern richtig groß und spielte regelmäßig in riesigen Hallen vor ausverkauftem Haus. Der TANG-DYNASTY-Gründer, Kaiser Kuo, war aus den USA nach China emigriert und hat dort fast alleine die gesamte Metal-Szene aufgebaut. Eine Überraschung war außerdem, dass Peking eine richtige Extrem-Metal-Szene hat; Black Metal schein ist dort offenbar groß im Kommen.
Sam Dunn
METAL4HANNOVER: Es sieht im Film ein wenig ao aus, als wären SEPULTURA und Max Cavalera so eine Art Vorbild für viele Metal-Fans auf der Welt, speziell, wenn sie nicht aus Europa oder Nordamerika kommen.
Sam Dunn
An SEPULTURA führt natürlich kein Weg vorbei, wenn man solch einen Film macht. Sie sind und bleiben die wichtigste Band der Metal-Welt, die nicht aus dem Westen kommt. SEPULTURA haben nicht nur viele Kids in Brasilien dazu inspiriert, eigene Gruppen ins Leben zu rufen – sondern auf der gesamten Welt, etwa in Indonesien, einem Land das ebenfalls lange Zeit unter Diktaturen und korrupten Politiker zu leiden hatte. Die Fans Kids in Indonesien spüren da eine sehr starke Verbindung zu den SEPULTURA-Texten und natürlich auch der Energie der Musik. Das ist übrigens ein ganz besonderes Beispiel für ungewöhnliche Globalisierung.
Sam Dunn
METAL4HANNOVER: Kannst du dir erklären, warum Bands aus Ländern wie China und Indonesien, die keine allzu lange Metal-Tradition haben, sich gerade an den härteren Spielarten wie Thrash- und Black Metal orientieren?
Sam Dunn
Es sieht so aus, dass die extremen Stile des Metal einen Eindruck von Ursprünglichkeit und Authentizität schaffen, mit dem sich die Kids dort von der Popmusik und auch von den „leichteren“ Spielarten des Metal abgrenzen. Die Wut und Intensität von extremen Metal-Spielarten bietet Menschen, die in schwierigen politischen und ökonomischen Umgebungen leben, eine ganz spezielle Identifikationsfläche.
Sam Dunn
METAL4HANNOVER: Was denkst du: könnten andere Musikstile – zum Beispiel Hip Hop – eine ähnliche weltweite Reputation erreichen? Könnte da auch eine "globale Szene entstehen? Oder handelt sich sich hier um ein spezielles Merkmal von Metal und Rock’n’Roll?
Sam Dunn
Der Hip Hop scheint eine vergleichsweise lockere Musikrichtung zu sein. Inwieweit er das Potenzial hat, sich zu einer „globalen Szene“ auszuwachsen, kann ich dir nicht sagen. Wundern würde es mich aber nicht, wenn es in Asien, Südamerika oder sonst wo Hip-Hop-Acts gäbe, die in ihrer Art absolut einzigartig sind. Für den Metal gilt, dass die meisten Menschen meinen, dass das eine sehr in sich geschlossene Musikrichtung wäre, die sich massiv gegen Änderungen wehrt. Auf der einen Seite stimmt das ja sogar, weil Metal sich nie allzu weit von seinem Kern entfernt. Aber GLOBAL METAL entstanden ist, konnte man sehen, dass Metal andere Musikstile integrieren kann. In China zum Beispiel werden zum Teil traditionelle Instrumente benutzt und historische Gedichte fließen in die Texte ein. Was ich sagen will, ist Folgendes: Es gibt da eine neue Strömung im Metal, die versucht, der großen Gesamt-Idee eine „lokale Komponente“ beizufügen, anstatt einfach nur das nachzumachen, was bei uns im Westen passiert.
Sam Dunn
METAL4HANNOVER: Es muss ja ungemein viel Material beim Drehen angefallen sein. Was ist denn neben der Kamera passiert, was man im Film nicht sieht? Und wie kam eigentlich der Kontakt zu den Kids zustande, die ihr interviewt habt?
Sam Dunn
Stimmt, Wir haben insgesamt über 300 Stunden Material gefilmt! Deshalb gibt es auf der DVD ja auch so viele Extras. Was die Interviewpartner angeht: Das war meistens ganz einfach. Die Metal-Community hat ja eine massive Präsenz im Internet, die gerade die ganzen Tape-trading-Netzwerke des Undergrounds der Achtziger und frühen Neunziger ersetzt. So konnten wir auch mit Metallern in Ländern wie Iran oder Indonesien in Kontakt treten.
Sam Dunn
METAL4HANNOVER: Gab es dabei denn Probleme mit lokalen Sicherheitskräften?
Sam Dunn
Nein, abgesehen davon, dass wir in den Iran reisen konnten, hatten wir kaum Probleme. In dieser Hinsicht war das ein wirklich lockerer Trip!
Sam Dunn
METAL4HANNOVER: Was sind deine Erwartungen von von der „globalen“ Metal-Szene für die Zukunft?
Sam Dunn
Metal wird – wie Kultur im Allgemeinen – bestimmt weiter weltweit expandieren. Im Moment erinnert mich das alles ein wenig an die Achtziger, als viele Fans sich vom Glam-Metal abwandten und der Underground mit neuen extremen Spielarten reagierte, zum Beispiel dem Norwegischen Black Metal. Heute haben augenscheinlich viele den Eindruck, der Metal dümpele so ein wenig vor sich hin und wirke über weite Strecken ein wenig angerostet. Dabei passiert im Metal so viel Spannendes auf der ganzen Welt – speziell in Ländern wie China, Indonesien oder Israel. Man muss eben einfach nur über den Tellerrand schauen!
Sam Dunn

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